Kofferradios

Trav-ler Kofferradio 1927 (USA), Röhren: 5 * UX 199, integrierter Trichterlautsprecher, drehbare Rahmenantenne.

Die Geschichte transportabler Radiogeräte, die auch früh bereits als Kofferradios  bezeichnet wurden, ist nahezu so alt wie die des Radios selbst.

Da Radios zunächst nahezu ausschliesslich mit Batterien betrieben wurden und erst in späteren Jahren mit einem Netzteil für Strom aus dem öffentlichen Stromnetz versehen worden waren (in Deutschland: ab 1927), lag es nahe die Batterien ins Gehäuse zu verlagern und das Gehäuse selbst mit einem Tragegriff zu versehen.

Bei den ersten transportablen Radiogeräten war es üblich, dass diese mit Kopfhörer- bzw. Lautsprecheranschlüssen versehen waren, um einen externen Lautsprecher anzuschließen. In den USA kamen die ersten leistungsfähigen Kofferradios der Firma RCA (Radio Corporation of America) mit integriertem Lautsprecher im Jahr 1923 auf dem Markt. Es waren leistungsfähige Batterie- Superhet- Empfänger mit drehbarer Rahmenantenne und integriertem Trichterlautsprecher, die in einem stabilen, lederbezogenem Koffer eingebaut waren. 

Portadyne (GB) Modell ScreenGrid4, 1932

In den dreißiger Jahren wurden die Empfangsleistungen der Kofferradios immer besser, allerdings waren sie doch recht unhandlich und schwer aufgrund der grossen Batterien. Radios waren in diesen Jahren ansich teuer, Kofferradios waren Luxusgüter, die sich nur wenige Personen leisten konnten. Deutsche kofferradios aus dieser Zeit sind eher selten. Das abgebildete Kofferradios ist ein typischer Vertreter seiner Art aus Grossbritannien.

Deutscher Olympia Koffer 1937, Werbung

Zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin kamen mehrere verschiedene "Volkskofferradios" auf den Markt unter anderem der Deutsche Olympia Koffer (DOK) 1936 von Schaleco. Ein weiteres Modell, welches dann als Gemeinschaftprodukt mehrere Hersteller produziert worden ist, erschien 1937 als Deutscher Olympia Koffer 1937. Diese Radios wurden in weitaus geringeren Mengen als die bekannten Volksempfänger VE301 produziert. Nicht zuletzt der hohe Anschaffungspreis und die hohen Batteriekosten hielten die Kundschaft ab, sich solch ein Gerät zu kaufen.

Wega Koffersuper KSK, 1936

Hier ein anderes Beispiel eines eher seltneren Vertreters seiner Art: Ein Wega Kofferrsuper KSK aus dem Jahr 1936. Interessant an der Konstruktion ist, daß sich der Deckel öffnen lässt, um es mit den beiden Batterien für Anoden- und Heizspannung zu bestücken.

Körting, Modell Tourist, 1939

In höheren Stückzahlen wurden diese Köring Koffersuper Modell Tourist produziert. Es handelt sich um recht grosse Kofferradios mit in der Rückwand schwenkbarer Rahmenantenne.

Braun BSK 39F, 1939

Ebenso erfolgreich war zu jener Zeit die Fa. Braun mit den für damalige Verhältnisse recht kompakten Kofferradios, hier vertreten mit dem Modell BSK 39 F und dem grösseren Modell BSK 39 D.

Braun Piccolo BSK 41, 1941

Viele deutsche Kofferradiogeräte aus den 30er und 40 er Jahren waren für den Export bestimmt, da die deutsche Radioindustrie als Spitzenprodukte mit Weltruf galten. In dieser Zeit wurden für Kofferradios spezielle Elektronenröhren entwickelt, die immer geringere Heizstromverbräuche aufwiesen. Im Zweiten Weltkrieg wurden Kofferradios in grösserer Anzahl für die Truppenbetreuung eingesetzt.

Lekies Modell Meteor, 1948/49

Direkt nach dem Krieg gab es neben den etablierten Herstellen viele neue Kleinhersteller. Diesem, aus radiotechnischer Sicht sehr interessanten Zeitraum, ist eine eigene Rubrik gewidmet. Kofferradios sind aber erst wieder in der Saison 1948/49 erschienen.

Dieses Meteor Radio der Fa Lekies ist solch ein Vertreter. Noch zum Teil mit Wehrmachtsröhren bestückt, die aus alten Krieg-Beständen stammten, wurde dieses Gerät als einfaches, mobiles Einkreisgerät produziert.

Grundig Weltklang B286, 1950

Hier sah auch die noch junge Firma Grundig ihre Chance. Neben den stationären Radios, die alle mit dem Namen Weltklang auf den Markt kamen, gab es auch den kompakten Koffersuper Weltklang, der schon mit den neuen neunpoligen Miniaturröhren bestückt war.

Akkord Radio, Modell Offenbach der Luxe, 1950

Auch eine andere neue Firma sollte für die nächsten Jahre den Markt für Henkelware in Deutschland neu aufmischen: Die Fa. Akkord, nach deren Angabe die erste Spezialfabrik für Kofferradios. Dem Erstlingswerk, dem Modell Camping, war noch nicht der grosse Erfolg gelungen, den Nachfolgemodell Offenbach aber umso mehr.

Telefunken Bajazzo, 1950

Auch Telefunken wollte an diesem Markt partizipieren und entwickelte das recht erfolgreiche Modell Bajazzo. Zunächst wurde dieses Modell noch mit den damals schon etwas rückständigen Stahlröhren bestückt, was aber im Folgejahr sich mit dem Bajazzo 51 änderte.

Metz Baby, 1950

Eine Besonderheit stellt die Fa. Metz dar, die damals, ebenfalls wie Grundig noch recht jung war. Metz versuchte immer wieder besondere Nischenprodukte zu produzieren, was mit dem Metz Baby auch gelang. Die Form des in den USA genannten "personel radios" war schon knapp 10 Jahre bekannt, in Deutschland war es das erste Radio in dieser Form und wurde ein achtbarer Erfolg.

Blaupunkt Nixe, 1951

In Westdeutschland kamen Kofferradios mit dem Wirtschaftswunder nun auch in höheren Stückzahlen in den Handel. Anfang der 50er Jahre waren viele Modelle am Design US- amerikanischer Kofferradios orientiert, da auch viele der Radios in die USA exportiert wurden. Eines dieser vermeintlichen "Plagiate" war das Blaupunkt Nixe, die Ähnlichkeit zum Design von RCA ist unverkennbar.

Lembeck Kamarad, 1952/53

Auch kleinere unbedeutendere Hersteller wie Lembeck brachten ein Kofferradiomodell auf den Markt, hier in Form einer Echtledertasche. leider war das auch das Ende vieler kleinerer Radiohersteller, Lembeck stellte die Produktion im Jahr 1954 ein.

Telefunken Bajazzo 53, 1953

Der in Deutschland im Jahre 1949 eingeführte neue Wellenbereich der Ultrakurzwelle (UKW) nahm 1953 nun Einzug auch bei den deutschen Kofferradios. Telefunken produzierte weltweit das erste UKW Modell mit dem Bajazzo 53. Andere Hersteller folgten schnell.

Metz Babyphon, 1955

Mit der Zeit war der Besitz eines guten Kofferradios für junge Leute ein Statussymbol. Kofferradios mit Plattenspieler standen besonders hoch im Kurs, Firmen wie Metz und Braun bedienten diesen Markt.

RFT Möve, genannt Laubfrosch, 1954

Im Jahr 1954 kamen die ersten Kofferradios der Deutschen Demokratischen Republik auf den Markt. Diese setzten sich durch ein eigenes Design zu denen in Westdeutschland ab. Viele dieser Kofferradios gingen in den Export.

Hallicrafters Transworld 1000, 1956. Röhren: 1U4,1L6,1U4,1U5,3V4

Andererseits wurden grosse Kofferradios mit mehr als einem Kurzwellenbereich in den USA populär. Viele Hersteller aus den USA bauten diese typischen, recht leistungsfähigen  "World Receiver". Besonders erfolgreich waren die Firmen Zenith und Hallicrafters, die diese in z.T für europäische Verhältnisse in recht hohen Stückzahlen bauten. Es sollte noch fast 10 Jahre dauern, bis auch deutsche Hersteller solche "Weltempfänger", dann aber bereits mit Transistoren bauen sollten.

Schaub Camping Luxus, 1954

Luxus-Kofferradios mit UKW Bereich wurden von den Abmessungen wieder grösser und mit stärkeren Endstufen versehen, damit diese dann auch als stationäres Heimgerät betrieben werden konnten.

Eine Auswahl alter deutscher Kofferradios.

 

 

[Bild: Akkord Transola E, Radione R25]

 

Durch die Transistortechnik wurden die Kofferradios noch kleiner und die ersten Taschenradios kamen auf den Markt. In den USA wurden bereits die ersten volltransistorisierten Taschenradios im Jahre 1954 vorgestellt, in Deutschland
in den Jahren 1956/57, diese besaßen aufgrund der damaligen technischen Grenzen nur den Mittel- und Langwellenbereich.

 

[Bild: Telefunken Partner, Nordmende Minibox]

 

Im Jahr 1958 kamen die ersten volltransistorisierten Kofferradios mit Kurzwellenbereich und schon ein Jahr später mit dem Ultrakurzwellenbereich auf dem deutschen Markt. Die Ära der mit Elektronenröhren bestückten Kofferadios neigte sich dem Ende zu.

 

[Bild: Telefunken Bajazzo Transistor, Telefunken Bajazzo 59, Rema Trabant UKW]

 

Henkelware mit UKW- Bereich wurden ein Verkaufsschlager. Auch Firmen, die sich vorher nie mit Kofferradios beschäftigt hatten, profitierten vom rechtzeitigen
Einstieg in das neue Geschäftsfeld.

 

[Bild: Nordmende Transita 60, Greatz Joker]

 

In den sechziger Jahren wurden die Taschenradios noch kleiner, die japanischen Taschenradios waren zu einer starken Konkurrenz geworden. Die Bauteile wurden immer weiter miniaturisiert. Damit es dann zu hause dennoch etwas besser klang gab es passende Erweiterungs-Lautsprecher zur Tonverbesserung sogar mit Uhr zum Aufziehen für’s Nachtschränkchen.

 

[Grundig Mini Boy mit Uhr, Telefunken Ticcolo]

 

Koffer- und Taschenradios wurden zu Massenartikel, deutsche Radios genossen immer noch einen sehr guten Ruf und wurden weltweit exportiert. Die Ausstattung der Kofferradios wurden immer weiter verfeinert, die Luxusausführungen hatten ein Echtholzgehäuse aus Teak. Kofferradios wurden oft auch mit spziellen Autohalterungen als Autoradio „missbraucht“. Eine wenige Modelle hatten sogar einen automatischen, motorgestützen Sendersuchlauf.

 

[Bild: Schaub Lorenz Touring , Philips Annette Automatik]

 

Anfang der siebziger Jahre wurde der Absatz deutscher Kofferradios schwächer, da sich auch eine gewisse Marktsättigung ergab und die japanische und später auch koreanische Konkurrenz immer stärker wurde. Viele Kofferradios wurden nun mit einem Compact- Kassettenteil versehen, welches in den sechziger Jahren von Philips entwickelt worden war. Da Design der siebziger Jahre unterschied sich deutlich von dem der Jahre davor.

 

[Bild: Blaupunkt Carnaby]

 

Ende der siebziger Jahre kamen besonders grosse Kofferradios mit Casettenteilen und grossen Stereo Lautsprechern auf den Markt. Es gab nur noch wenige deutsche Herrsteller, die auch solche "Gettoblaster" herstellten. Die meisten gaben ihren guten Namen nur noch für umgelabelte Radios aus Fernost her.

 

Hier endet vorläufig die Geschichte. To be continued...

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